Montag, 23. Juli 2012

Brigitte Biermann - Engel haben keinen Hunger


Klappentext: 
Dieses Buch erzählt die authentische Geschichte von Katrin L., die sich zu Tode hungerte.
Katrin L. ist 15 Jahre alt. Sie ist sportlich, kreativ, klug und allseits beliebt. Und sie hat einen Traum: Sie will Model werden we ihre Idole Kate Moss und Christy Turlington. Was mit einer harmlosen Diät beginnt, entwickelt sich bald zu einer gefährlichen Sucht, aus der es kein Zurück mehr gibt. Hilflos müssen die Eltern und ihre Schwester zusehen, wie Katrin immer dünner wird, immer kraftloser - und immer einsamer.
Brigitte Biermann, bekannt für ihre sensiblen Gerichtsreportagen, zeichnet den Verlauf der Krankhet nach und lässt Katrin L. selbst zu Wort kommen: Mit ihren Tagebüchern und Gedichten.

Meine Meinung:
In meinem Freundeskreis leiden gleich 2 Mädchen an Anorexie bzw. an Bulimie.
Deshalb hatte ich mir eigentlich geschworen, nicht auch noch Bücher zu dem Thema zu lesen,
denn es belastet einen auch so schon genug. Einer der Gründe, wieso ich beispielsweise "Ich kann nicht anders, Mama!" unbedingt loswerden wollte. 
Aber "Engel haben keinen Hunger" konnte ich (weshalb auch immer) nicht weggeben. Heute hab ich mich dann hingesetzt um es zu lesen - in Ruhe, von Anfang bis Ende in einem Rutsch. 
Was soll man zu so einer tragischen, traurigen und furchtbaren Lebensgeschichte sagen?
Wie findet man die richtigen Worte, dieses Buch zu beurteilen?
Es ist einfach nur furchtbar. Furchtbar für Katrin, die ihr Leben doch so gerne "normal" leben würde.
Furchtbar für ihre Familie und ihre Freunde, die ihr beim Hungern und letztendlich beim Sterben zusehen müssen, unfähig, ihr irgendwie zu helfen. Man möchte sie am liebsten Schütteln und schreien: "Nun iss doch endlich! Was ist dein Problem? Das schmeckt doch lecker!", aber das bringt nichts. Sie KÖNNEN nicht essen, es geht einfach nicht.
Wer sich zum Thema Magersucht ein Buch zulegen will, dem kann ich dieses Buch empfehlen -
es ist eine wahre Geschichte ohne gutes Ende.
Ich hab schon viele Bücher zu dem Thema gelesen, vor ca 6 Jahren, als das Thema in meinem Freundeskreis angefangen hat. Um es zu verstehen und um es nachvollziehen zu können.
Und viele davon waren fiktiv, hatten ein offenes oder ein gutes Ende - und wenn wir mal ehrlich sind; wie viele werden schon von Magersucht geheilt? So gut wie niemand, jedenfalls nicht für immer. Es wird vielleicht etwas besser, aber komplett weg? Sehr selten.
Die Gedichte und Tagebucheinträge von Katrin sind wirklich niederschmetternd - man kann die Verzweiflung aus ihren Worten förmlich spüren;

Bin faul
Muss mich bestrafen...
Bin nutzlos
Muss mich bestrafen...
Bin fett
Muss mich bestrafen...
Bin es alles einfach nicht wert
Muss sterben!

(Von Katrin L.)

Das Buch kriegt 5/5,
 ich möchte aber keine Herzen geben, weil ich das unpassend finde,
denn eigentlich kann ich dieses Buch nicht "gut" finden, eigentlich ist es nur erschreckend und macht mich unheimlich traurig. Jetzt muss ich erstmal was lustiges lesen, um auf andere Gedanken zu kommen.
Und ich hoffe für Katrin L., dass sie dort, wo sie jetzt ist, glücklich ist.

1 Kommentar:

  1. Ich finde das Thema Anorexie/Bulimie beziehungsweise Essstörungen für ein Buch sehr schwierig, aus diversen Gründen (unter anderem deshalb, weil die wenigsten Geschichten nicht nur oberflächlich, sondern auch wenig authentisch sind, oder weil die (Gedanken-)Welt einer betroffenen Person oft zu klischéehaft dargestellt wird - ich bilde mir ein, das ziemlich gut beurteilen zu können, da ich leider selber Erfahrungen diesbezüglich gemacht habe -- kritisch und stark bedenklich finde ich auch, dass diverse solcher Romane ursprünglich dazu dienen abzuschrecken von etwaigen Krankheiten und falschen Idealen, letztendlich aber (zumindest in den Händen des falschen Lesers, vor allem bei jungen Menschen) schrecklicherweise den exakten gegenteiligen Effekt haben).

    Ich empfinde es ebenso als sehr schwer, über derartige Bücher zu urteilen und trotzdem hast du es gut gemeistert.
    Hoffentlich kommst du schnell wieder zu besseren Gedanken!

    Liebevolle Grüße, Lyciènne

    AntwortenLöschen